Der Goldrausch Amazoniens Baca ist einer der sogennanten „Goldbarone“ des peruanischen Amazonas-Departments Madre de Dios, das an der Grenze zu Bolivien und Brasilien liegt und einst bekannt war für seine große Artenvielfalt. Heute ist es dafür berühmt, das Zentrum des Goldrausches zu sein, der die tropischen Wälder zerstört. Baca, der in seiner Jugend Soldat war, ließ sich vor mehr als vier Jahrzehnten als einer der ersten SiedlerInnen im Regenwald nieder, um dort Gold zu gewinnen. Heute ist er einer der Reichsten und Patriarch anderer „Goldbarone“. Diese “Barone” sind Männer und auch einige Frauen, die dank des hohen Goldpreises und der Abwesenheit des peruanischen Staates in jenen entlegenen Gebieten zu Millionären geworden sind. In Madre de Dios arbeiten zwischen 30.000 und 40.000 illegale BergarbeiterInnen; in ganz Peru sind es etwa 100.000 bis 200.000. Die meisten sind MigrantInnen aus der Andenregion, die davon träumen, das gleiche Glück zu erlangen wie Baca. Nur wenige kümmern sich dabei um den Schutz der Umwelt und den ihrer eigenen Gesundheit. Vor Kurzem hat sich der peruanische Staat in die Angelegenheit eingeschaltet. Er will den informellen Bergbau regulieren und dem illegalen Sektor ein Ende machen. Unnachhaltiger Bergbau „Ich finde es sehr gut, dass die nationale Regierung Kontinuität darin zeigt, dem illegalen Bergbau ein Ende setzen zu wollen“, so César Ascorra, Direktor der Caritas Madre de Dios und Verteidiger eines althergebrachten und nachhaltigen Bergbaus. Vor zwei Jahren, während der Amstzeit des Expräsidenten Alan García (2006 – 2011), beschoss die Kriegsmarine einige Schwimmbagger – treibende Plattformen zum Goldabbau auf dem Fluss Madre de Dios -, die dort illegal im Einsatz waren. Die jüngste Entscheidung der jetzigen Regierung des Präsidenten Ollanta Humala geht noch weiter: Am 18. Februar wurde das Gesetz 1100 erlassen, das jegliche Bergbauarbeit ohne staatliche Genehmigung untersagt. Das heißt, ohne Bergbaukonzession, der Studie zu Umweltauswirkungen, Arbeitssicherheit und Steuerentrichtung, würde die Bergbauaktivität verboten und könnte durch die Ordnungskräfte verhindert werden. Ebenso verbietet die Verordnung jegliche finanzielle Aktivitäten für die illegale Bergbauindustrie oder die Zufuhr von Produktionsgütern, vor allem von Quecksilber, Zyanid und Brennstoffen. Informeller und illegaler Bergbau Die Veränderung wäre bedeutend – vorausgesetzt, diese Politik kann tatsächlich angewendet werden. Bisher verwenden die handwerklichen BergarbeiterInnen ein ziemlich raffiniertes Unterscheidungskriterium zwischen informellen und illegalen BergarbeiterInnen. Allein durch die Vorlage eines Genehmigungsantrages bei der Regionalen Bergbaubehörde des Ministeriums für Energie und Bergwerke (Dirección Regional de Minería del Ministerio de Energía y Minas) erhält der oder die BergarbeiterIn eine Bescheinigung, mit der die Person im Bergbau tätig sein kann, solange der Antrag in Bearbeitung ist. Dieser Prozess kann allerdings Jahre dauern. Mit Einreichen des Antrags gelten die BergarbeiterInnen nicht mehr als illegal, sondern als informell, auch wenn bei deren Arbeit weder Umweltvorschriften noch Vorschriften zu Arbeit oder Steuern beachtet werden. Die Gesetzesverordnung 1100 setzt dieser Unterscheidung ein Ende und hat daher zu starken Reaktionen unter den BergarbeiterInnen geführt. „Es gibt höchstens zehn Bergbauoperationen in Madre de Dios, die über ordnungsgemäße Papiere verfügen und alle ihre Steuern zahlen“, schätzt Ascorra. Tote bei Protesten Bis Mitte März blockierten handwerkliche und kleine BergarbeiterInnen Perus – unter ihnen viele, die mit schweren Maschinen arbeiten und schon lange keine Handwerker mehr sind – Straßen an verschiedenen Orten des Landes und verursachten Konfrontationen mit der Polizei. Am 15. März starben in Madre de Dios drei Bergarbeiter bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die peruanische Regierung ließ sich auf Verhandlungen ein, deren Ergebnis die Gewährung einer einjährigen Kampfpause war. In dieser Zeit soll der Status der BergarbeiterInnen gesetzlich geregelt werden. In der Praxis stellt dieses Abkommen jedoch mehrere Herausforderungen dar: Zur Durchführung des Formalisierungsprozesses muss der Staat – das heisst sowohl die nationale als auch die regionalen Regierungen – ausreichend Mittel und Personal zur Verfügung stellen. Das staatliche Eingreifen in die Kette der Produktionsgüter (Quecksilber, Zyanid und Brennstoffe), aber auch der schweren Maschinen wie Kipper, Bagger oder Bohrer, die von anerkannten ausländischen Firmen legal verkauft werden, ist alles andere als einfach und kollidiert mit der herrschenden Korruption. Angst vor Anstieg der illegalen Tätigkeiten Ascorra fürchtet, dass die einjährige Kampfpause als Vorwand dient, mit dem die BergarbeiterInnen ihre illegalen Tätigkeiten verstärken. „Das haben wir schon viele Male gesehen: Die bei den Gesprächsrunden geschlossenen Abkommen werden dazu genutzt, den Abbau der Mineralien innerhalb der vorgegebenen Frist zu intensivieren“, so Ascorra. Die Situation in Madre de Dios ist kritisch: Es wird geschätzt, dass nach wie vor etwa 15.000 BergarbeiterInnen in der Pufferzone des Nationalparks Tambopata arbeiten, wo Bergbauaktivitäten strengstens verboten sind. Aufgrund der Gefahr, dass sie vertrieben und ihre Maschinen zerstört werden könnten, ziehen viele der illegalen BergarbeiterInnen in andere Gebiete und machen dort den BergarbeiterInnen, die sich im Formalisierungsprozess befinden, ihr Gebiet streitig. Hartnäckigkeit der BergarbeiterInnen Baca und die Goldbarone sowie die vielen LandarbeiterInnen, die auf der Suche nach Gold ihr Land verlassen, bestehen auf ihrem formellen Status und berufen sich dabei auf das Gesetz. Jedoch ist deren Vorstellung vom Gesetz weit entfernt von der des peruanischen Staates und wird auch weiterhin Grund für viele Konflikte sein. (erschienen in poonal Nr. 991) |
domingo, 6 de mayo de 2012
Regierung will illegalen Bergbau bekämpfen
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lunes, 16 de abril de 2012
Neues aus La Oroya
Regierung greift in La Oroya durch
Pedro Barreto, der Erzbischof von Huancayo, vor der Bleihütte von Oroya. Foto: Pohl/Adveniat.Die Gläubigerversammlung der bankrotten Firma, mit dem peruanischen Staat als Hauptgläubiger, hat in der vergangenen Woche den Restrukturierungsplan der Firmenleitung abgelehnt. Die 90 Jahre alte Hüttenanlage im peruanischen La Oroya gilt als eine der zehn am meisten verschmutzten Industriestädte weltweit. Das sagt nicht nur das US-amerikanische Blacksmith Institute. Der Erzbischof von Huancayo und Vorsitzende der Sozialkommission der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz, Pedro Barreto, ebenso wie die Presbyterianische Kirche der USA machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass in La Oroya das Recht auf Gesundheit der Bewohner der Kleinstadt massiv gefährdet ist.
Besonders gilt der Einsatz der Kirchen den Kindern und Müttern, die unter der bleihaltigen Luft am meisten zu leiden hatten. Der Fall La Oroya ist ein Lehrstück darüber, wie gewiefte Investoren 15 Jahre lang einen schwachen Staat übertölpeln und die Rechte der Arbeiter gegen das Recht auf Gesundheit ausspielen konnten. 1997 kaufte die US-amerikanische Renco-Group/Doe-Run das sanierungsbedürftige Hüttenwerk von der damaligen Staatsfirma Centromin, und zwar mit der Auflage die Anlage umwelttechnisch aufzurüsten.
Obwohl die Geschäfte mit dem aus den umliegenden Bergwerken angelieferten Kupfer, Blei, Zink und Gold besser als je zuvor liefen, meldete die Firma 2008 Konkurs an. Grund: Alle Gewinne wurden an den Besitzer in den USA abgezweigt, und unter dem Vorwand der fehlenden Liquidität erreichte die Firma Doe Run mehrmals einen Aufschub für die eigentlich verpflichtende Umweltsanierung vom Staat.
Die Betreiberfirma hatte wichtige Verbündete, die die Regierung dazu brachten, immer wieder einzuknicken: die 3.000 Arbeiter, die eisern zu ihrer Firma hielten, weil sie nur die Wahl hatten zwischen der Umweltbelastung und dem Erhalt ihrer festen, relativ gut bezahlten Arbeitsplätze. Dazu kommt die strategische Lage an der einzigen Hauptstraße von Lima in die Getreide- und Gemüsekammern der Hauptstadt. Wenn die Arbeiter von Doe Run streikten, blockierten sie einfach die Hauptverkehrsader. Mehr als ein paar Tage hielt das bisher keine Regierung durch.
Die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern einerseits und den Umweltschützern der Kirchen andererseits wurden zum Teil gewalttätig. Noch im letzten Monat erhielten Mitarbeiter von Erzbischof Barreto Morddrohungen auf ihre Handys. Dennoch, oder gerade deswegen, gilt die erste Sorge des Erzbischofs dem Wohl der Arbeiter von La Oroya: "Wir haben uns immer für eine Gesamtlösung eingesetzt, die sowohl die Umwelt als auch die Würde der Arbeiter im Blick hat", verkündete er einen Tag nach Bekanntgabe der Gläubigerentscheidung.
Dass der peruanische Staat den Forderungen der Betreiberfirma Doe Run nicht mehr nachgegeben hat, kam überraschend: Doe Run hatte zum Schluss gefordert, dass der Staat die Verantwortung für eine in den USA eingereichte Schadensersatzklage bleiverseuchter Kinder aus La Oroya gegen Doe Run übernehmen solle. Außerdem verklagte des Unternehmen die Regierung wegen Wettbewerbsbenachteiligung vor dem Schiedsgericht der Weltbank. Damit war sowohl für die Regierung Humala wie auch für die peruanische Öffentlichkeit Doe Run als Betreiber nicht mehr haltbar.
Die Gläubigerversammlung hat nun eine laufende Liquidation eingeläutet. Innerhalb der nächsten 6 Monate soll der Betrieb wie gehabt weitergehen und ein neuer Investor gesucht werden. Aber auch Doe Run kann einen neuen Restrukturierungsplan einreichen.
Quelle: Hildegard Willer, KNA
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viernes, 17 de febrero de 2012
domingo, 12 de febrero de 2012
Wenn Conga kommt, geht Humala
Gut 10 000 Bergbaugegner sind am Freitag, den 10. Februar durch Lima marschiert, um im Parlament zwei Gesetzesentwürfe abzugeben: einer soll den Bergbau in Wasserquellgebieten untersagen; der andere Bergbau mittels Zyanid und Quecksilber (was bei der momentanen Technologie einer de-facto-Einstellung des Bergbaus entsprechen würde). Das letzte Mal waren soviele Menschen Ende Mai 2011 auf den Strassen Limas, um gegen die Kandidatin Keiko Fujimori zu protestieren und für den Kandidaten Humala. Dieses Mal sind es Bergbaugegner aus ganz Peru, die ihre Forderungen auf die Strassen der Hauptstadt tragen.
Am Protestmarsch haben vor allem Bürgerinitiativen aus ganz Peru teilgenommen, die sich gegen Bergbauprojekte auf ihren Gebieten wehren. Konkreter Anlass für den Protestmarsch sind die Auseinandersetzungen um das geplante Goldabbauprojekt "Conga" in Cajamarca, im Norden Perus. In einem 10-tägigen Fussmarsch waren gut 500 Bauern aus Cajamarca nach Lima gekommen , um gegen das von der Regierung Humala unterstützte Projekt zu protestieren. Die Demonstration am Freitag war der Abschluss des "Marsches für das Wasser". Auslöser des Konfliktes um Conga ist nämlich die vorgesehene Zuschüttung von vier Bergseen und das unvollständige Umweltgutachten, das den Einfluss des 4 Mlliarden-Abbauprojektes auf die Wasserflüsse nicht untersucht.
Momentan sind die Arbeiten am Projekt suspendiert, die Regierung wartet auf ein hydrologisches Gutachten ausländischer Experten.
Ob und wie noch ein Dialog zwischen Regierung und Bergwerk einerseits, und den Bergbaugegnern andererseits zustande kommen kann, ist völlig offen. Präsident Ollanta Humala hat sich bisher nicht zum Protestmarsch geäussert. Vor 8 Monaten ist er , mit den Stimmen der Bergbaugegner, ins Amt gewählt worden. Heute protestieren seine Wähler gegen ihn. "Ollanta Verräter" oder "Mit einem Protestmarsch haben wir dich ins Amt gebracht, mit Protestmarsch holen wir Dich wieder raus" waren während des Marsches zu hören.
Die peruanische Hauptstadt-Presse hat den Erfolg des Protestmarsches in skandalöser Missachtung ihres journalistischen Auftrages fast vollständig ignoriert, sprach zum Teil von einigen wenigen Demonstranten und brachte statt dessen die neuesten Umfrageergebnisse, die Humala einen Beliebtheitszuwachs von 8% attestieren. Humalas Beliebtheit mag wohl gewachsen sein - aber nicht bei denen, die ihn gewählt haben.
Den Erfolg des Marsches kann vor allem Marco Arana und seine Partei "Tierra y Libertad" für sich verbuchen. Der suspendierte Priester konnte sich damit als ernst zu nehmender Oppositionspolitiker gegen Humala in Szene setzen. Im Auge behalten soll man auch, dass sich hier die Provinzen gegen die Hauptstadt Lima erheben, und die gewählten Regionalpräsidenten mehr Macht gewinnen.
(Die nachfolgenden Fotos sind von Kerstin Kastenholz)

domingo, 29 de enero de 2012
Peru/Schweiz
Humala - Neuer Shootingstar in Davos
Im schweizerische Davos findet das Weltwirtschaftsforum statt. Foto: FlickrEines unterscheidet jedoch Humala von Lula. Ollanta Humala sieht sich selbst nicht als Linker, wie er vor kurzem in einem seiner seltenen Interviews verkündete. „Ich bin kein Linker, sondern ein Nationalist, dem es um die soziale Gerechtigkeit geht“, sagte Humala der spanischen Tageszeitung "El Pais". Aber auch mit der Rechten würde er sich nicht identifizieren. Dafür hat die Rechte umsomehr Gefallen an dem ehemaligen Bürgerschreck-Präsidenten gefunden.
Peru profitiert von Wirtschaftskrise der Anderen
Vor seiner Abstecher nach Davos, machte er in Madrid Station. Im wirtschaftlich darbenden Spanien war er heftig umworben von König, Präsident und Unternehmern. Denn der peruanische Präsident kommt dieses Mal nicht als Bittsteller, sondern als Vertreter eines aufstrebenden Landes. Die peruanische Zentralbank hat eben wieder einen Rekord an Devisenreserven bekannt gegeben und verkündet, sie sei gut gewappnet, falls die Eurokrise auch auf Lateinamerika überschwappen sollte. Das Wirtschaftswachstum variiert seit Jahren zwischen sieben und acht Prozent und soll im nächsten Jahr nur vier bis fünf Prozent betragen. Die Peruaner haben letztes Jahr, gleich nach den Kolumbianern, am meisten Neuautos in ganz Lateinamerika gekauft. „Wir hoffen, dass der Wind der Krise an uns vorbeiweht“, sagte Humala gönnerhaft in Spanien.
Wie kaum ein Land profitiert Peru von der Wirtschaftskrise der Anderen: Perus Kupfer wird in chinesischen Fabriken nachgefragt, und je mehr Dollars und Euros in die Krise geraten, desto mehr gieren die Anleger nach peruanischem Gold. Wichtigste Handelspartner Perus sind heute China, wegen der Metallexporte, und die kleine Schweiz wegen der Goldexporte, die zumindest über Schweizer Bilanzen laufen. Kein Wunder, dass Humala seinen Besuch in Brüssel auf März verschoben hat – der Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union kann angesichts der gut laufenden Geschäfte warten.
Hohe Rohstoffpreise bringen Geld und Konflikte
Peru möchte Investitionen, aber nicht irgendwelche. Humala weist immer wieder darauf hin, dass Peru Technologietransfer braucht, damit es nicht im Rohstoffexport stecken bleibt. Denn obwohl die hohen Rohstoffpreise Humalas Regierung das Geld einbringen, damit er seine versprochenen Sozialprogramme umsetzen kann, so sorgen sie zu Hause in Peru auch für anhaltende Konflikte.
„Conga“ heisst das Goldabbauprojekt, das Humala schon einige schlaflose Nächte bereitet haben dürfte. Der Regionalpräsident von Cajamarca sowie eine breite Bürger- und Bauerninitaitive stellt sich gegen die bereits genehmigte Erweiterung der grössten Goldmine Südamerikas, Yanacocha. Ein internationales Expertenteam soll nun innerhalb von 40 Tagen feststellen, ob die beabsichtigte Mine tatsächlich den Bauern und Bewohnern der Stadt Cajamarca das Wasser abgraben wird. Die Bergbau-Gegner aus Cajamarca befürchten , dass das neue Gutachten nur eine Alibi-Übung ist, und die Regierung das Bergbauprojekt auf jeden Fall durchdrücken will. Beim Conga-Konflikt geht es auch um die Machtverteilung zwischen Zentralregierung und gewählter Regionralregierung.
Die Reichtümer Perus werden in den Regionen gefördert – letztendlich bestimmt aber darüber die Regierung in Lima. Jedoch sind in Peru auch die Regionalregierungen selbstbewusster geworden - und damit hat der Nationalist Humala durchaus seine Mühe. Angesichts dieser häuslichen Schwierigkeiten mag es für den ehemaligen Linken Humala verlockend sein, sich in Davos als neuen Shooting-Star unter Lateinamerikas Präsidenten feiern zu lassen.
(aus: www.blickpunkt-lateinamerika.de)
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lunes, 16 de enero de 2012
Peru und die Rallye Dakar
Platz für die schönen Weißen
Asia, Zielort der Rallye Dakar, steht für Rassismus in Peru
Von Hildegard Willer (KNA)
Lima (KNA)
Nur noch dem Namen nach hat die Rallye Paris-Dakar mit Afrika zu
tun. Dieses Jahr führt das Autorennen von Argentiniens Metropole Buenos
Aires nach Lima in Peru und endet in Asia. In diesem Fall ist nicht der Kontinent gemeint, sondern ein mondäner Badeort rund 100 Kilometer südlich der peruanischen
Hauptstadt. Dort wird am Sonntag entschieden, wer am schnellsten die
Querfeldein-Strecke über die Anden und die Wüste am Pazifik bewältigt
hat. Danach wird die Karawane im Korso für die Siegerehrung auf den
Hauptplatz von Lima fahren.Endstation des Rennens ist aber Asia. Für viele Peruaner ist der Badeort keineswegs ein Symbol des Motorsports, sondern steht für jenen Rassismus, der das Andenland bis heute prägt. Vor fast genau vier Jahren erlebte Asia eine Invasion besonderer Art: Am 28. Januar 2007 besetzten Hunderte junger Menschen den Strand und mischten sich unter die gut betuchten Badegäste. Gekleidet waren die Frauen in dunkelblauem Drillich, aus dem üblicherweise die Arbeitskleidung peruanischer Hausangestellter geschneidert ist.
Damit wollten sie dagegen protestieren, dass Bediensteten in Asia das Baden im Meer verboten wurde - und dies, obwohl alle Strände kraft Gesetz in Peru öffentlich zugänglich sein müssen. Hausangestellte werden in Asia nicht gern am Strand gesehen. Sie sollen unsichtbar bleiben, obwohl sie unentbehrlich sind. Ohne sie, die sich um die Kinder und den Haushalt kümmern, könnten sich wesentlich weniger Frauen und Männer dem lässigen Strandleben hingeben.
Die Strandkundgebung mit dem Namen "Operation mutige Hausangestellte" fand ein großes Medienecho. Die Bürger von Asia mussten ihre Baderegeln ändern. Seitdem dürfen auch Hausangestellte ihre Arbeitskluft aus- und den Bikini anziehen und die Pazifikwellen genießen.
Auch wenn diese Benachteiligung beseitigt ist. Der zugrundeliegende Rassismus im Land schwelt weiter. Die reichen Badegäste Asias sind meist weißer Hautfarbe, während die Dienstboten, so wie die Mehrheit aller Peruaner, indigene Vorfahren haben. "In den vergangenen vier Jahren hat sich Einiges getan in Sachen Diskriminierung", berichtet Wilfredo Ardito.
Der Anwalt, Vorkämpfer für die Gleichberechtigung von Menschen aller Hautfarben, verweist darauf, dass in jüngerer Zeit mehrere Gemeinden Verordnungen gegen ethnische Diskriminierung erlassen haben. Seitdem dürfen Lokale nicht mehr den Zugang wegen der Abstammung verwehren, und auch Stellenausschreibungen dürfen die Anforderung "gutes Aussehen" - eine peruanische Umschreibung für "weißhäutig" - nicht mehr verwenden.
Dennoch ist es ein langwieriges Unterfangen, Vorbehalte zu ändern. Eine jüngste Studie der renommierten Wirtschaftsuniversität "Universidad del Pacifico" brachte ans Licht, dass auf dem peruanischen Arbeitsmarkt ethnische Diskriminierung weiter an der Tagesordnung ist. Vor allem indigen aussehende Frauen haben es schwer, einen qualifizierten Job zu finden. Bis heute verdienen dunkelhäutige Peruaner 50 Prozent weniger als ihre helleren Landsleute.
Nach Meinung von Wilfredo Ardito fehlt eine aktive Antidiskriminierungspolitik in den einzelnen Abteilungen der peruanischen Behörden. Bislang werde kein Beamter dahingehend geschult, offenen oder verdeckten Rassismus aufzudecken und zu ahnden. "Der Rassismus bei uns ist zwar nicht mehr so offen, aber er wird von ganz vielen noch als normal, als natürlich angesehen", so Ardito.
Wenn am Sonntag staubbedeckte Autos und Motorräder samt ihren müden, hoffentlich unverletzten Fahrern den Strand von Asia belagern, werden auf den Pressebildern vor allem weißhäutige Peruaner zu sehen sein. Und alle werden das für ganz normal halten.
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domingo, 8 de enero de 2012
Goldrausch in Santa Rosa
Marcelino Correa von der Bauerngemeinschaft Santa Rosa de Suyo
Als Arcesio Gonza an jenem Samstagabend im August vor einem Jahr den Gottesdienst verliess,
wusste er nicht, dass er eben sein
letztes Gebet gesprochen hatte. Fünf Häuserzüge waren es von seiner
evangelischen Gemeinde zu seinem Haus im Dorf Santa Rosa de Suyo. Beim vierten
Block trat ein vermummter Mann aus dem Schatten, stach mit dem Messer mehrmals
auf Arcesio ein. Er fiel zu Boden, sah noch, wie der Angreifer sich auf seine
Frau Benancia stürzte, die laut um Hilfe schrie. Der Sohn hörte die
Hilfeschreie im nahen Haus, konnte den
Meuchelmörder in die Flucht schlagen. Auf der Fahrt ins nächste Krankenhaus an
der Grenze zu Ecuador starb Arcesio, seine Frau und nunmehr
Witwe überlebte. Der Mörder wurde bis heute, fast eineinhalb Jahre später,
nicht gefasst.
Arcesio Gonza aus dem
nordperuanischen Dorf Santa Rosa de Suyo starb, weil er sich weigerte, reich zu
werden.
Die Erde, auf der er und seine Vorfahren seit Jahrhunderten leben,
enthält Gold. Das ist nichts Neues. Neu
ist, dass der Goldpreis so hoch ist, dass es mindestens das 10-fache einbringt,
die Erde nach Gold umzugraben, statt weiterhin Ziegen und magere Kühe darauf
weiden zu lassen. Der 54-jährige Bauer Arcesio war Gemeinderat und hatte
mitentschieden, dass auf dem
Gemeindegebiet jedoch nicht nach Gold
gegraben werden dürfe. Einige Bauern hielten sich nicht an die Abmachung,
gruben auf ihrem Land dennoch nach Gold und errichteten Goldwaschanlagen, in
denen sie mit hochgiftigem Quecksilber die Goldkörner vom Rest der Steine
trennen. Der Gemeinderat liess die
Goldgruben wieder zuschütten, die Goldgräber öffneten sie wieder, die
gegenseitigen Beschuldigungen und Drohungen nahmen überhand – bis an jenem
Abend des 21. August 2010 Arcesio Gonza umgebracht wurde.
Über ein Jahr später erzählte mir Marcelino Correa in einem
Kaffee nahe beim Busbahnhof der nordperuanischen Stadt Piura wie das Unheil mit
dem Mord an Arcesio Gonza in seinem Dorf Santa Rosa seinen Ausgang nahm.
Marcelino ist 25 Jahre alt, sein Unterarm ist mit Stempeln aller Art übersät.
Es ist ein Zeichen, dass er gerade im Gefängnis zwei seiner Gemeinderatskollegen besucht hat,
die dort wegen Mordes angeklagt sind.Der
Mord an Arcesio Gonza hat eine Welle von
Gewalt und Gegengewalt ausgelöst . Im Dorf Santa Rosa de Suyo findet heute ein
Kleinkrieg statt zwischen Bauern, die Gold abbauen und Bauern, die dagegen sind.
Marcelino gehört, ebenso wie seine zwei verhafteten Freunde,
zur Fraktion der Bauern. Alle fünf Minuten klingelt sein Handy, Marcelino
beschwichtigt die Zuhörer, dass es ihm gut geht und er gleich losfahren wird.
„Meine Familie hat Angst, dass mir was passiert“, erklärt er. „Jemand hat ausgesagt, er habe
mich an einem Tatort gesehen, damit werde ich verdächtig als nächstes Opfer“.
Marcelino Correa ist ein junger Bauer , alles andere als
reich. Trocken ist es in Santa Rosa, da wachsen keine Maracuja oder Mango, die
man exportieren könnte, wie es 100 Kilometer weiter talabwärts der Fall ist. In
Santa Rosa de Suyo gibt es Ziegen und ein paar magere Kühe, die sich im
Gestrüpp ihre Nahrung suchen. Sonst nichts. Warum in aller Welt , so frage ich,
handelt Ihr gegen jegliche ökonomische Vernunft und grabt Ihr nicht auch lieber
nach Gold ? Bei dem hohen Goldpreis wäre das ein Bombengeschäft, und zu
verlieren habt Ihr ja nichts.
Marcelino wird nachdenklich. „Gold ist schnelles Geld und
schafft Ungleichheiten und Zwist in der Gemeinschaft“. Sie hätten Angst, dass
dadurch ihre Gemeinschaftswerte verloren gingen und dass die zügellose Gier
Einzug hielte. Auch die Bedenken gegen
die Umweltverschmutzung durch den Goldabbau spielten eine Rolle. „Wir haben
wenig Holz, und die Bergleute brauchen das wenige Holz als Stützstreben in
ihren Stollen“. Aber haben sie eine
Alternative zum Goldabbau ? Marcelino
träumt vom organischen Kaffeeanbau, aber bisher steht noch keine einzige
Kaffeestaude auf seinem Land.
Marcelinos Handy klingelt zum dritten Mal in 30 Minuten.
Seine Freundin ist am Apparat, der junge Mann beruhigt sie. „Ich fahre jetzt
gleich mit dem Bus los nach Santa Rosa, in zwei Stunden bin ich dort“.
Marcelino ist damals gut in seinem Dorf angekommen. Er ist
auch heute, an Weihnachten 2011, noch am Leben. Die Zahl der wegen des Goldes
ermordeten Menschen in seinem Bezirk – sowohl Begleute wie Bauern - ist in den
letzten beiden Monaten jedoch auf 14 angestiegen.
Ich weiss nicht, wer die Morde ausgeführt hat. Aber ich
weiss, warum mich die Geschichte der Bauern von Santa Rosa de Suyo so berührt
hat: in einem Jahr, in dem die Rede vom Wirtschaftswachstum alles bestimmt, in dem ich einerseits in einem
Land – Peru - lebe, das sich im kollektiven
Goldrausch befindet , mit einer Hauptstadt, in der an jeder Strassenecke ein neues Einkaufszentrum entsteht, um das
Geld aus dem Goldabbau auch gleich wieder ausgeben zu können. Und andererseits in einem Jahr der
Horrornachrichten aus Europa, weil eben dieses Wirtschaftswachstum ausbleibt,
und alle wie verrückt Gold kaufen, weil sie glauben, damit ihre Ersparnisse vor
einem drohenden Wirtschaftskollaps zu retten. In
einer Zeit, in der Gier hoffähig geworden ist, und in der jeder für blöd
erklärt wird, weil er nicht seinen kurzfristigen materiellen Vorteil sucht: in
einer solchen Zeit auf Menschen wie Marcelino zu treffen, die – entgegen aller ökonomischen Vernunft - sagen: „Wir verzichten auf Gold, denn das
bringt nur Zwist und Umweltzerstörung“ – das ist fast wie Weihnachten.
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